Über Verletzlichkeit, Scham und die Courage, unvollkommen zu sein | Brené Brown


Heute traf ich im Netz zum ersten Mal auf Brené Brown, qualitative Sozialforscherin an der University of Houston, und ihre zwei wunderbaren TEDx-Vorträge… Brené Brown hat mir heute viel beigebracht – an einem Tag, an dem ich krank im Bett liege und gefühlt unendlich viel Zeit habe, über die Welt und alles drumrum nachzudenken.

Was ich heute verstanden habe, ist die Idee von Verletzlichkeit als Mut, etwas zu wagen, von dem man den Ausgang nicht kontrollieren kann, was man aber gleichzeitig tun “muss” (quasi als Herzensangelegenheit), um überhaupt eine Chance zu haben, das zu bekommen, was man von Herzen gern kreieren möchte – sei es eine Verbindung zu einem Menschen, ein Kunstwerk oder auch eine wissenschaftliche Erfindung oder …

“Verletzlichkeit ist der Geburtsort von Innovation, Kreativität und Veränderung.” (TEDx Talk “The power of vulnerability”, Min 5:54)

Um zu verstehen, wie das alles zusammenhängt, hat Brené Brown untersucht, wie Menschen Entscheidungen treffen, die sich selbst als liebenswürdig (würdig geliebt zu werden!) wahrnehmen. Sie nennt diese Menschen die, die aus ganzem Herzen leben (TEDx Talk “The power of vulnerability”, Min 14:20). Das Ergebnis: Diese Menschen haben schlichtweg die Courage, unvollkommen zu sein!

“Verletzlichkeit ist nicht Schwäche. Ich definiere Verletzlichkeit als emotionales Risiko, ausgeliefert sein, Unsicherheit. Sie treibt unser tägliches Leben an. Und ich glaube jetzt – das ist mein zwölftes Jahr in dieser Forschungsrichtung – dass Verletzlichkeit unser genauestes Maß von Courage ist – verletzlich zu sein, uns erkennen zu geben, ehrlich zu sein.” (TEDx Talk “Listening to shame”, Min 4:45)

Was es sehr gut auf den Punkt bringt, ist ihr “Mann in der Arena”-Zitat von Theodore Roosevelt:

“Es sind nicht die Kritiker, die zählen. Es ist nicht der Mann, der dasitzt und aufzeigt, wie der Macher Dinge besser gemacht haben könnte und wie er fällt und stolpert. Die Ehre gebührt dem Mann in der Arena, dessen Gesicht gezeichnet ist, mit Staub und Blut und Schweiß. Aber wenn er in der Arena ist, und bestenfalls gewinnt und schlechtestenfalls verliert, aber wenn er versagt, wenn er verliert, tut er es mit großem Wagemut.” (TEDx Talk “Listening to shame”, Min 12:10)

Die beiden Vorträge geben noch etliche weitere Einblicke in die Forschungsergebnisse von Brené Brown, unter anderem spricht sie über

  • die Unterscheidung von Scham und Schuld,
  • den Zusammenhang von Scham und Angst vor Schwäche bei Männern
  • die Gefahr, durch die Vermeidung von Verletzlichkeit unfähig zu werden, zu lieben und sich verbunden zu fühlen…

Wenn Du, der/die Du dies gerade liest, Dir 2x 20 Minten Zeit nehmen kannst, dann schau die beiden Vorträge – hier von mir inkl. deutscher Untertitel eingebettet – an.

TEDx TALK – Brene Brown: Die Macht der Verletzlichkeit (Dez. 2010)

 

TEDx TALK – Brene Brown: Auf die Scham hören (März 2012)

***

Es ist übrigens ein beeindruckender Service auf TED.com, dass diese Vorträge auch verschriftlicht und in verschiedene Sprachen übersetzt bereit gehalten werden. Hut ab! Das nenn ich mal wirklich “accessible content” im Sinne von Karen McGrane – aber das ist ein anderer Blog-Post, der noch geschrieben werden will…

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4 Gedanken zu “Über Verletzlichkeit, Scham und die Courage, unvollkommen zu sein | Brené Brown

  1. Die 20 Minuten habe ich leider erst heute Abend! Aber ich danke dir schon für den Gedanken der “Verletzlichkeit als Mut”. Er erinnert mich an alles, was mir in der Literatur und der Kunst, und nicht nur, da, zusagt.

  2. Ich kann Dir nur zustimmen: es lohnt sich wirklich, diese Vorträge nicht nur zu hören, sondern geradezu zu studieren. Es stimmt, es gehört viel Mut dazu, Verletzlichkeit zu akzeptieren statt abzublocken. Aber es lohnt sich! Gerade auch für Männer. Übrigens bietet die deutsche Sprache ein gutes, wenn auch selten gebrauchtes Wort für Courage: Beherztheit.

  3. Danke für Eurer spontanen Rückmeldungen! “Beherztheit” ist wunderbar, Walter! … und was Du, lieber Heinz, nach dem Hören/Sehen drüber denkst, würd mich wirklich interessieren!

  4. Pingback: Kreativität und Verletzlichkeit | Dora Quar - Avatar Blog

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