Bärbel Schäfer hat mein Buch geschrieben – eine Spontan-Rezension


Das Konzept steht, der erste Interviewtermin ist vereinbart, da trifft mich vor so ungefähr zwei Wochen vorm Fernseher der Schlag: Bärbel Schäfer sitzt in einer Talkshow und promotet ihr neues Buch: Das Glückgeheimnis. Paare erzählen vom Gelingen ihrer Liebe. Sie hat MEIN Buch geschrieben! Was nun?

Tief durchtamen, Buch kaufen, lesen – rezensieren und mit eigenem Buchkonzept abgleichen…

Im dritten gemeinsamen Buch hat TV-Moderatorin Bärbel Schäfer gemeinsam mit der Fernsehjournalistin Monika Schuck berühmte und No Name-Paare nach dem Geheimnis ihrer Liebe befragt. Herausgekommen sind Bekenntnisse und Liebeserklärungen, die teilweise wirklich ans Herz gehen – doch so gebündelt in einem Buch veröffentlicht, entsteht noch eine andere Wirkung, die mich stutzig macht und gleichzeitig ermutigt, an meinem Buchprojekt dranzubleiben.

1. Was will mir die Auswahl der Paare sagen?
Dass dies (hoffentlich) nicht der Querschnitt durch Deutschlands Beziehungslandschaft ist. 7 aus Funk und Fernsehen bekannte Paare (unter anderem der Scorpions-Sänger und Sky du Mont – so verkauft sich das Buch bestimmt viel besser!), dazu 11 unbekannte, die Personen jeweils zwischen 24 und 78 Jahre alt – darunter ein (berühmtes) Quoten-Schwulenpärchen und ein Quoten(-No Name-)Frauenpaar, garniert mit einem Quoten-Ost-West-Beziehungsdrama (ergreifend mit Stasi und Flucht und so) – und obendrein noch eine Nonne, die eine Beziehung zu Gott pflegt. Das Bekenntnis der Nonne habe ich übrigens nicht gelesen – klare Verweigerungshaltung, weil mir das einfach zu plump platziert ist. Außerdem hat Gott seinen Beitrag nicht geleistet, was ich ziemlich schwach finde,schließlich haben in allen anderen Konstellationen auch beide Seiten was preisgegeben. Ach ja, und dann kommt auch noch – als einzige weitere Ausnahme von der Zweierbeziehung – Rainer Langhans mit seinem Harem (4 (!) Frauen) zu Wort. Die Fünf beeindrucken aber vor allem damit, dass sie gar keinen Sex miteinander haben. Also, wenn das die Bandbreite an Beziehungsformen ist, die Frau Schäfer sich im Jahr 2009 so vorstellen kann… hab ich ja noch Platz mit meinem Buch.

2. Was will mir das Interview mit der Paartherapeutin sagen?
Nichts. Zumindest nichts über die vorgestellten Beziehungen, denn ein Bezug wird nicht hergestellt – und damit wird meines Erachtens echtes Potenzial verschenkt. Etwas unmotiviert erscheint am Ende des Buches ein Interview mit der Paar- und Familientherapeutin Dr. Angelika Faas. Hätte mich doch wirklich interessiert, was sie konkret zu den verschiedenen Darstellungen des privaten Liebesglücks sagt. So fehlt dem Buch (außer eben ein paar Allgemeinplätzen im schlimmsten Ratgeberstil seitens der Therapeutin) jede Meta-Ebene – nicht gewollt, wird Frau Schäfer sagen. Nicht gekonnt, könnte ich kontern.

3. Was wollen mir die Schilderungen der Paare sagen?
Dass Treue alles ist, Frauenpaare keinen Sex haben und tradiertes Rollenverhalten zwischen Männern und Frauen glücklich macht, wenn nur genügend Bereitschaft besteht, es auszuhalten… Bei allem gilt es schließlich zu bedenken: Die Interviews boten mit Sicherheit noch viel mehr Stoff, die Verdichtung verantworten die beiden Herausgeberinnen. Und die haben sich dafür entschieden,

a) das Konzept „Treue“ als Glücksformel auszurufen – denn außer dem Langhans-Fünfer (und die sind ja eh schon irgendwie „anders“) kommen nur Paare zu Wort, die sich ganz bewusst zur Monogamie bekennen.

b) den beiden alten Damen – dem lesbischen Paar – das Thema „Sex“ zu „ersparen“, was wiederum das Klischee bedient, dass Frauenpaare gar keinen Sex haben.

c) Männern wie Frauen jede Menge Ungereimtheiten und Tilgungen durchgehen zu lassen, so dass vieles viel zu oberflächlich und klischeehaft bleibt.

d) die Fluchtgeschichte des Ost-West-Paares derart auszubreiten, dass es doch ein bisschen zu sehr nach Effekthascherei aussieht, denn kein anderes Paar beleuchtet so detailliert einen Lebensabschnitt, ein Erlebnis, wie diese beiden.

So kann ich mich denn nach der Lektüre wieder entspannen und an unserem Buch (ich habe einen Co-Autoren – wen wunderts…) weiter arbeiten. In zwei Wochen führen wir das erste Interview… Was unterscheidet unser Buch von Bärbels? Es geht uns mehr um die gemeinsam erlebten Glücksmomente, auch um einen intensiveren Erzählstil, der viel konkreter wird, nicht so abstrakt im Drüber-reden bleibt – und natürlich um die Bereitstellung einer Analyse, was ein intensives Erleben von Glück in einer Liebensbeziehung (in welcher Konstellation auch immer) immer wieder möglich macht.

Mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten.😉

Ein Gedanke zu “Bärbel Schäfer hat mein Buch geschrieben – eine Spontan-Rezension

  1. Leserin schreibt:

    ihre eigene ehe mit michel friedman hat frau schäfer in eben jener talkshow ja als glücklich bezeichnet. _mich_ würde hier mal brennendst interessieren, wie diese beziehung herrn friedmans affäre um kokain und ukrainische prostituierte bewältigt. *das* steht natürlich nicht in schäfers buch. und wurde in der talkshow natürlich auch nicht gefragt.

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