Alles bleibt anders… | Weisheiten vom PR 2.0 FORUM


Open Space Teams in Action #pr2f on Twitpic …stellt Euch vor, es ist PR 2.0 FORUM und alle* gehen hin…

Wenn über 100 PR-Profis aus Agenturen und Unternehmen, Fachjournalisten und andere Experten über professionelle Kommunikations angesichts des erstarkenden Social Web diskutieren, dann fallen markante Statements und provokante Thesen, dann wird aber auch viel gefragt. Wir alle haben die Weisheit 2.0 nicht mit Löffeln gefressen, die wenigsten von uns können sich Digital Native schimpfen und kaum einer behauptet, mehr als ein Pre-Experte zu sein.

Hier möchte ich kurz ein paar Gedanken aufzeichen (ist ja schließlich ein Netztagebuch…), die mir persönlich als bedenkenswert im Kopf geblieben sind.

### Zehn PR 2.0-Weisheiten vom PR 2.0 FORUM ###
(ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit und überpersoneller Bedeutung)

1. In der Social Media Kommunikation gibt es keine „Kampagnen“ mehr, denn es lässt sich kein Endpunkt definieren und schon gar nicht steuern/kontrollieren: Der Dialog der Community geht einfach immer weiter… Vorsicht also bei begrenzten Budgets und Testprojektes: Verwaiste Blogs und Twitter-Accounts sowie unbeantwortete Fragen in Foren machen sich nicht gut… Social Media ist Evernet.

2. Pressesprecher/innen sind für die Social Media Kommunikation denkbar ungeeignet, denn von ihnen wird das One-Voice-Prinzip im Sinne offizieller Unternehmensverlautbarungen erwartet. Pressereferenten sind zudem selbst schon eine Art Medium, ein Filter für die Unternehmensinternas auf dem Weg nach „draußen“. Und genau dieser Filter ist unerwünscht: Die User wollen im Social Web gerade mit jemand anderem reden als mit dem Pressesprecher. Aus diesem Grund bloggt im Daimler-Blog übrigens auch kein Pressereferent, sondern ausschließlich „echte“ Mitarbeiter. Als Strategen im Hintergrund sind sie jedoch gefragt!

3. Das Social Web vergrößert die Oberfläche des Unternehmens. Es wird plötzlich an vielen Ecken und Enden sichtbarer, transparenter. Damit muss ein Unternehmen umgehen lernen – was mich zu Punkt 4) führt:

4. Unternehmen brauchen ein publizistisches Selbstverständnis. Sie werden zu Herausgebern eigener Medien, die sie kontinuierlich füllen müssen.

5. Social Media Kommunikation braucht Begeisterung und Engagement. Mitarbeiter können zu dieser Kommunikationsform definitiv nicht gezwungen werden. Es gilt also betriebsintern die Web 2.0-affinen Menschen zu identifizieren – und natürlich die weniger affinen, die oftmals als Entscheider den Budgetdaumen heben oder senken, zu überzeugen. [Die krasseste These lautete an diesem Tag übrigens: Auch die sterben irgendwann aus.] …apropos Menschen:

6. Social Media Kommunikation ist ein Dialog zwischen Menschen. Wer sich als Mensch nicht zu erkennen geben will, wird es schwer haben, im Social Web zu bestehen. Auch ein Account wie @vodafone_de menschelt, wie uns Carmen Hillebrand erklärt hat.

7. Irgendwo zwischen „Zuhören, zuhören, zuhören!“ und „Nicht lang schnacken, Kopf in‘ Nacken!“ (= einfach mal mutig drauflos!) liegt die Wahrheit: Social Media Kommunikation ist keine Einbahnstraße (deshalb zuhören und RE-agieren), aber es ist auch nichts, was sich über bloßes Drüber-Nachdenken erschießt: Bestimme Erfahrungen muss man machen.

8. Social Media Kommunikation lässt sich genau so wenig wie PR – ob 1.0 oder 2.0 – in Verkaufszahlen gegenrechnen (oder in Form des vermaledeiten Anzeigenäquivalenzwert). Wer als erstes mit der ROI-Keule kommt, hat nicht verstanden. Gleichwohl sind wir von Agenturseite immer wieder gezwungen, den Mehrwert für das Unternehmen bzw. die Karke kenntlich zu machen. [Auf den ROI-Aspekt machte mich heute Tobias Russ aufmerksam. Ich kann nur leider keine wirklich schlüssige Argumentation aufbauen, wie ich mit harten ROI-Fakten eine PR 2.0-Diskussion „gewinnen“ soll. Vielleicht erkläst Du es mir nochmal in Ruhe…]

9. Google definiert die Grenze zwischen PR 1.0 und 2.0… Wer bei Google nicht unter den ersten 10 Treffern ist, findet nicht statt. Bei dieser Aussage fange ich an, nervös auf meinem Bürostuhl hin und herzurutschen, weil ich das einfach nicht wahrhaben will. Für mich ist PR 2.0 nicht gleich SEO – und Social Media Kommunkation erst recht nicht.

10. Das Cluetrain Manifest von 1999 ist und bleibt erste Pflichtlektüre und schrieb uns PR-Profis bereits vor zehn Jahren alles ins Pflichtenheft, was wir heute angesichts der wachsenden Mitmachmöglichkeiten im Netz beherzigen müssen.

Soweit ein paar Argumente, die mich bewegt und überzeugt, auch bestätigt und durchaus auch nachdenklich gemacht haben…

Soweit fürs Erste.

Besonders inspirierend fand ich übrigens die Nachmittagssession zum Selberdenken – 10 parallel und in einem Raum stattfindende Open Space-Workshops. Ich diskutierte in der Gruppe Was bedeutet Social Media in punkto Journalistenansprache und werde daraus in den nächsten Tagen noch einen gesonderten Blog-Post verfassen…

Ich bin wirklich froh, live dabei gewesen zu sein und nicht nur am PC dem Hashtag gefolgt zu sein, denn die Würze waren wie immer die persönlichen Begegnungen mit ach so vertrauten Profilbildern. Gell, @storymaker!😉

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Weiterlesen [wird laufend vervollständigt, Hinweise gern im Kommentar]:
Michael Domsalla (KMTO)
http://konstruktivpr.wordpress.com/
Claudia Becker (@clab) auf Posterous
Lars Basche (@larsbas) auf Posterous
Anne Marei Blank (Parkstraße) im Blog

* Naja, nicht alle… Ein paar waren wohl auch beim parallel tagenden Social Media Forum. Und dann waren da auch noch diejenigen, die kurzfristig absagen mussten, zum Beispiel Mirko Lange von Talkabout, was ich persönlich sehr schade fand. Lieber Mirko, zur Entschädigung kommt das nächste PR 2.0 FORUM zu Dir nach München. Neid!

9 Gedanken zu “Alles bleibt anders… | Weisheiten vom PR 2.0 FORUM

  1. Wenn sich These 6 – Social Media Kommunikation ist ein Dialog zwischen Menschen – verwirklichen lässt, dann sind Social Media ein großer Werttreiber. Und mit Werten meine ich nicht in erster Hinsicht monetäre.

  2. Sascha Stoltenow schreibt:

    Danke für die Thesen 3 und 4😉 Ich hatte schon befürchtet, wir hätten das Publikum völlig abgehängt (wobei es sicher für das nächste Mal gut wäre, noch konkreter zu werden und mit Cases zu arbeiten). Allerdings wird das nur wenig daran ändern, dass Corporate Storytelling entweder zu abstrakt oder zu kleinteilig wirkt (das ist ja nur ne Pressemitteilung). Ich muss da noch mal überlegen …

  3. Danke für die Berücksichtigung. Mein Hinweis basiert auf den Wortbeitrag von Stephan Fink, dass Unternehmen wirtschaftliche Entscheidungen treffen und häufig den ROI für Social Media Aktivitäten hinterfragen. Konzepte für eine vernünftige „Währung“ sehe ich bislang nicht. Vielleicht wäre der Ansatz unter http://www.slideshare.net/thebrandbuilder/olivier-blanchard-basics-of-social-media-roi eine weitere Diskussion wert. Hilfreich in jedem Fall ist der Beitrag von Klaus Eck unter http://klauseck.typepad.com/prblogger/2009/09/unternehmen-sollten-social-media-ernst-nehmen.html mit dem Vertriebsbeispiel @DellOutlet, das eine sehr genaue Meßbarkeit zulässt.

  4. Sehr gute Thesen.
    Insbesondere Punkt 2 (es sollen keine Profis (Presserefenten) schreiben, sondern normale Mitarbeiter halte ich aus eigener Anschauung für wichtig.
    Spannend und offen ist für mich die Frage, wie „echt“ sind aber diese Beiträge.

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