Mein liebstes Weihnachtsgeschenk hat Barack Obama geschrieben


Die Quintessenz dieses Artikels:
1. Am US-Präsidenten ist ein großer Schriftsteller verloren gegangen.
2. Barack Obama war Fernschüler.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass es ein Buch geschafft hat, bei mir den Titel „Liebstes Weihnachtsgeschenk“ zu ergattern. Ihr werdet natürlich denken, in diesem speziellen Fall sei ich durch als bekennender Obama-Fan geblendet (mein Freund wollte mir ursprünglich einen Obama-Bildband schenken…), aber weit gefehlt!

Die Autobiografie vom amtierenden US-Präsidenten Barack Obama ist etwas ganz anderes als ein – gar mit Unterstützung eines „Profi-Schreiberlings“ zusammengestückeltes – Lippenbekenntnis eines aufstrebenden Politikers. Denn dieses Buch entstand a) vor 15 Jahren, zu einem Zeitpunkt, als Obama mit der großen Politik noch nichts am Hut hatte, und wurde b) von ihm höchst persönlich verfasst. Anlass war seine Ernennung zum ersten schwarzen Präsidenten der juristischen Fachzeitschrift Harvard Law Review. Das sorgte für Aufsehen, Verlage riefen bei ihm an – und so nahm sich der heutige US-Präsident mit Anfang Dreißig direkt nach seinem Abschlussexamen ein ganzes Jahr (Aus)Zeit, seine Familiengeschichte zu reflektieren.

Herausgekommen ist ein beeindruckendes Stück Literatur. Obamas Sprache ist dicht und lebendig. Statt zu erklären, erzählt er. Wie in jeder guten Familiensaga wird hier ein Stück Zeitgeschichte lebendig – und gleichzeititg ist es mehr als nur eine Dokumentation. Es ist „echte“ Literatur, in der Charaktere durch Anekdoten geschaffen werden. Und bei deren Lektüre die (psychologischen/ philosophischen) Fragen des Schriftstellers an das Leben beim Leser auf Resonanz stoßen können, weil nicht nur Fakten runtergebetet, sondern innere Bilder kreiert werden. Ich empfehle jedem/r die Lektüre der ersten Seiten, um sich selbst zu überzeugen: An diesem Mann ist ein Schriftsteller verloren gegangen (Hoffentlich nimmt er sich in sieben (!) Jahren ja wieder eine Auszeit zum Schreiben…!).

Als Randnotiz sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass Barack Obama mein Herz natürlich final erobert hat, dass er sich als Fernschüler geoutet hat! Auf Seite 63 heißt es beiläufig:

Ihr [Mutters] Augenmerk galt meiner Schulbildung. Da es kein Geld gab, mich auf die Internationale Schule in Djakarta zu schicken, die die meisten Ausländerkinder besuchten, hatte sie gleich nach unserer Ankunft dafür gesorgt, dass ich neben der indonesischen Schule auch an einem US-Fernkurs teilnahm.

Leider erfahren wir keine Details aus seiner Fernschulzeit. Nun ist der Vorgang des Lernens ja auch nicht sonderlich spannend zu erzählen, da geben die Krokodile im Garten natürlich mehr her… Doch fest steht: Barack Obama hat ganz selbstverständlich das getan, was auch deutsche Kinder im Ausland tun können, wenn ihre Eltern ihnen fernab der Heimat eine Schulbildung ermöglichen wollen, die ihnen einen nahtlosen Anschluss ans Bildungssystem im Heimatland zu ermöglichen (genau darum ging es Obamas Mutter auch).

So. Und weil ich noch die ganze Woche Urlaub habe, lese ich jetzt einfach beim zweiten Morgenkaffee ein bisschen weiter…

PS: Und was ist Euer liebstes Weihnachtsgeschenk?

Ein Gedanke zu “Mein liebstes Weihnachtsgeschenk hat Barack Obama geschrieben

  1. Pingback: Anonymous

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s