Was ich noch zu sagen hätte… – mein Beitrag zur Blogparade „Mehr Bildung in Blogs“


Die Literatenmelu hat uns in ihrer engagierten Blogparaden-Aktion fünf Fragen gestellt und für die Beantwortung sogar ein paar Preise ausgeschrieben, um die Blogosphäre hinterm Ofen vorzulocken.

Was ich dazu zu sagen hätte…?

Aus meinen Erinnerungen an meine Schulzeit lassen sich beileibe keine Verbesserungen für die Zukunft ableiten, weil ich tatsächlich zu den seltenen Exemplaren Mensch gehöre, die ihre Schulkzeit genossen haben, weil ich als Tochter aus gutem Bildungsbürgertumhause eine intensive frühkindliche Förderung genossen habe, die mich den Unterrichtsstoff hat spielend erfassen lassen. Dadurch blieb mir viel Zeit, um mich im Rahmen freiwilliger Schulprojekte frei zu entfalten. Das Angebot an meiner Schule (Gymnasium Trittau) war vielfältig, die LehrerInnen jung und engagiert – und was nicht seitens der Schule angeboten wurde, haben wir uns eben selbst organisiert. Ich sag nur: Wer Sartre auf die Bühne bringen will, tut es eben einfach!🙂 Und wenn die Power für zwei Schülerzeitungen da ist – bitte sehr!

Welche Medien ich im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt habe? Liebe Melanie, ist das eine Fangfrage?🙂 Ich bin Jahrgang 1970. Das heißt, meine Schulzeit fand noch ohne Internet statt. Immerhin wurde frühzeitig ein EDV-Labor mit zahlreichen Computern eingerichtet. Mich hatte das damals nicht sonderlich interessiert und deshalb hab ich auch nichts vermisst. Ich habe nachmittags an einer Schreibwerkstatt teilgenommen und damit das Medium „Papier und Stift“ genutzt. Zweimal konnte ich auf diese Weise einen deutschlandweiten Literaturwettbewerb gewinnen. Ich habe damit in Berlin an öffentlichen Lesungen teilgenommen und wurde von einem lokalen Radiosender interviewt. DAS waren aufregende Medienerfahrungen! Und ich durfte in der Oberstufe Kunst als Leistungskurs belegen und mich damit noch mehr medial austoben. Und: Wir sind im Rahnmen einer Klassenfahrt nach Polen gefahren und haben die Gedenkstätte Ausschwitz besucht. Kein Medium dieser Welt hätte mir diese Erfahrung, leibhaftig an diesem Ort zu stehen, ersetzen können…

Und jetzt halten also Blogs, Wikis und Podcasts im Unterricht Einzug… Ja, hoffentlich tun sie das auf ganz natürliche Weise – didaktisch sinnvoll, denn dann ist das auch gut so! Aber das ersetzt nicht die Reise nach Ausschwitz, und auch nicht das Ringen mit der Sprache oder mit den inneren Bildern, wenn Schülerinnen und Schüler sich kreativ ausdrücken wollen. Ich wünsche mir, dass Schülerinnen und Schüler es heutzutage mit Lehrerinnen und Lehrern zu tun haben, die ihnen Medienkompetenz vermitteln, so wie sie ihnen auch Sprachkompetenz und Kommunikationskompetenz usw. vermitteln. Medienkompetenz heißt dann vor allem, mit der wachsenden medialen Beschallung „sinnvoll“ und gesundheitsförderlich, nicht -schädigend umzugehen, heißt auch, die Mischung zwischen Online und Offline zu finden, die „gut tut“.

Vielleicht gibt es keinen anspruchsvolleren Beruf als den des Lehrers/der Lehrerin? Sie müssen ja nicht nur ihre Fächer beherrschen, sie müssen auch noch in der lage sein, auf die Bedürfnislage der jeweiligen Generation zu reagieren und den aktuellen Anforderungen gerecht zu werden, die eine Gesellschaft im Wandel stellt. Sie haben einen erzieherischen Auftrag über die bloße Stoffvermittlung hinaus. Vieles wird auf sie abgewälzt, was früher das Elternhaus geleistet hat. Müssen LehrerInnen heutzutage quasi als TherapeutInnen ausgebildet in die Schulen gehen, um aufzufangen, was an Schmerz und Angst und Frust morgens die Schule betritt? Nur das Thema Medienkompetenz in den Mittelpunkt zu schieben, ist mnir da viiiieeeel zu wenig!

Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen? Klar! Online-Angebote sind sicherlich eine sinnvolle Ergänzung zur herkömmlichen Nachhilfe – aber mehr eben auch nicht. Denn die „herkömmliche“ Nachhilfe leistet etwas, was webbasierte Lernprogramme ohne reale Betreuung durch einen realen Menschen nicht leisten können: Es ist der Mensch, der die Lösungskompetenzen vermittelt, der den Hemmnissen und Widerständen auf die Spur kommt, die hinter dem Individuellen „Versagen“ stehen – und der hilft, diese zu überwinden und in Motivation und gesunde Neugierde umzuwandeln. Das kann kein Computerprogramm dieser Welt leisten. Hier spricht übrigens eine erfahrene Nachhilfelehrerin…🙂

Dies ist, was ich zu sagen hätte. Vielleicht keine typische – und nicht die von mir erwartete – Antwort? Ich will ja auch gar nicht preisverdächtig schreiben, sondern möglichst „ehrlich“.

3 Gedanken zu “Was ich noch zu sagen hätte… – mein Beitrag zur Blogparade „Mehr Bildung in Blogs“

  1. Den ersten Teil finde ich sehr interessant. Schön auch mal so einen Beitrag zu lesen! Bei mir war es leider etwas anders, aber mein „Rahmenprogramm“ zur Schule mit meinen Freunden habe ich mir auch ohne Lehrer schön gestaltet =) – Schule als sozialer Erfahrungs- und Entwicklungsraum… = Schule des Lebens!

    Der zweite Teil deines Beitrages gibt genau das wieder, was ich beobachte, erfahre und in meiner Arbeit im Bildungsbereich wiederfinde:
    „Es ist der Mensch, der die Lösungskompetenzen vermittelt, der den Hemmnissen und Widerständen auf die Spur kommt, die hinter dem Individuellen „Versagen“ stehen – und der hilft, diese zu überwinden und in Motivation und gesunde Neugierde umzuwandeln.“

    Und genau an dieser Stelle gilt es anzusetzen: Am Menschen – Sowohl bei den einzelnen Schülern, als auch – und da wird es spannend – bei den Lehrenden!
    Kein Tool, keine Methode dieser Welt kann das ersetzen! Anfangen. Bei sich selbst (…), um die Lernenden damit erreichen zu können, was gerade aktuell funktioniert und/oder zum „positiven Lernen“ gebraucht wird.

  2. Nachtrag:
    Es gab während meiner Schulzeit einige Lehrer, die mich geprägt haben, zu dem Beigetragen haben wer ich heute bin =) Durch ihre Persönlichkeit, nicht durch ihre Didaktik!

    Meine erste richtig positive Erfahrung in der Schule hatte ich mit Anfang 20 (nachdem ich das Gymnasium verlassen hatte + handwerkl. Ausbildung absolviert habe) in der Fachhochschule Sozialwesen, während meiner Erzieherausbildung. –> Schule kann Spaß machen, Lernen auch!

    Das hat mich dann so motiviert, dass ich bis heute viel Freude und Spaß daran habe Neues zu entdecken und mich zu lebenslangem Lernen aufgemacht habe…

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