re:publica XI – mein rundblickender Rückumschlag


Ok,

ich bin bisher sicherlich nicht die subversivste Bloggerin gewesen, weder hochgradig politisch, noch wahnsinnig provokant in anderer Hinsicht, und schon gar nicht konstant, also eher D- als C-Klasse…. egal, ich hatte ja auch ein Recht auf Teilnahme an der re:pubica XI und ich war rechtschaffend aufgeregt vorab, schließlich habe ich mit total viel subversiver Energie gerechnet, mit Brisanz, politisch aufgeheizter Athmo, irgendwie etwas, was ich als Spätankömmling in der Blogosphäre eigentlich kaum nachvollziehen kann.

Weit gefehlt.

Ich bin ja nun durchaus Konferenz-erfahren, außerdem habe ich lange studiert (Magister Germanistik in den 90ern) – und all das kam mir plötzlich auf eine unerwartete Weise zugute: Nach ungefähr einer haben Stunde in den heiligen Hallen des Friedrichstadtpalastes und der Kalkscheune hatte ich eine Ahnung, dass es auf der berühmt-berüchtigten Blogger-Unkonferenz zugeht wie zwischen überfüllten Hörsälen im Philturm der Hamburger Uni und den eleganten Hotelkonferenzräumen teurer PR-Tagungen: Es gab wirklich tolle Begegnungen mit KomilitonInnen… äh… BloggerInnen, die ich lange oder noch nie gesehen hatte. Diese liefen den Seminaren… äh… Sessions den Rang ab. Und so manche Session hatte dabei tatsächlich den Charme schlecht vorgetragener Grundseminar-Gruppen-Referate, doch in so mancher habe ich auch viel gelernt…

Gelernt…? Ja, bin ich denn etwa zum Lernen zur re:pubica gefahren?

Nein! Und auch nicht zum Business-Networking im klasssischen Konferenz-Stil. Und schon gar nicht, um mir in Gutsherren-Manier eine Vereinigung vorsetzen zu lassen, die mit der Kraft der bloggenden Vernetzung nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Ich rede von der Digitalen Gesellschaft, die so unfassbar 1.0 daher kommt, dass die komplette Szene ja in Schockstarre verfallen zu sein scheint und höflich Interesses- und Hoffnungsbekundungen abgibt. Herrje. Sascha Lobo hat echt Recht. (Sorry, die ganzen Verlinkungen fehlen noch, Es muss erstmal raus… Update 21:00 Uhr: Nun sind die Verlinkungen drin…)

Ich habe also so einiges ganz schrecklich vermisst: Warum kommen 3.000 BloggerInnen zusammen und benehmen sich dann wie Studenten im ersten Semester bzw. wie Business-Leute, die an ihrer Karriere feilen? Könnten wir (ja, ich gehöre jetzt dazu, das Plazet habe ich hier bekommen) mal unsere Energie bündeln, einfach mal was aushecken in solchen Tagen? Wie wärs mal mit ’nem Flashmob, der wirklich ins reale Leben hineinwirkt? Oder eine Diskussion, die am ersten Tag beginnt und sich durchzieht, immer wieder aufgegriffen wird, Sessions, die dafür reserviert werden, an Fragen dran zu bleiben, miteinander…? Warum haben wir bei der Eröffnung nicht gemeinsam im Saal gefordert, dass uns die Digitale Gesellschaft jetzt sofort vorgestellt wird? Sofort. Und nicht zum offiziellen Launch-Termin einen Tag später.

I have a Wish…..

Diese Kritik in aller Raffheit zu skizzieren, war mir ein Anliegen. Jetzt geh ich in Hamburg ’nen Döner essen und erzähle meinem Freund von al dem – der ist Offliner und will wirklich wissen, was ich in den letzten Tagen mit-bewegt habe. Hm, vielleicht habe ich versucht, mit Euch einen Sack Reis umzuschubsen. Doch 3.000 BogerInnen haben den nicht zu Fall bringen können.

Tja.

UPDATE 15.04.2011, 21:00 Uhr: Es gibt noch viel mehr zu sagen, differenzierter und auch zu anderen Aspekten. Aber eins nach dem anderen, in den nächsten Tagen folgen weitere Meinungen zur re:publica XI, u.a. warum feministische Sichtweisen immer noch dem sofortigen Backlash auf Twitter anheim fallen und warum die wissenschaftlich aufgezogenen Sessions erstaunlicher Weise oftmals die spannenderen waren…

UPDATE 16.04.2011, 13:45 Uhr: Ein paar weitere kritische Rückblicke als Lektüretipps:
– Malte Steckmeister: re:trospektive: re:infall re:publica
– Wilhelm Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi: re:publica 2011: ein kritisches Fazit
– Torsten Maue: #rp11 – Ein Schuß in den Ofen

13 Gedanken zu “re:publica XI – mein rundblickender Rückumschlag

  1. Zum Glück war ich schon 2009 und 2011auf der #rp, um zu wissen, was mich erwartet. Ich kann deine Kritik voll verstehen – es ist ent-täuschend. Genau das! Wenn ich weiß, dass Vieles eben so ist, wie von dir beschrieben, dann nutze ich die Nischen (wie im richtigen Leben auch =) Ich suche mir Panels und Menschen, die 2.0 Leben wollen und mache große Bögen um die, die NUR auf Hip und wir verdienen und arbeiten mit/im dem Netz machen…
    Das ist mir auch dieses Jahr gut gelungen – ich bin voll mit gutem Input, vielen Gesprächen am Rande und Diskussionen wieder nach Hause gefahren und hoffe einiges von dem, was ich gesehen habe umsetzen zu können UND vieles von dem, was ich gesehen habe zu lassen =)
    Was mich aber auch nicht in Ruhe lässt ist die Vereinsmeierei, die du „Gutherren-Mässig…“ benennst. Hier sollten wir wirklich etwas tun, damit die große Idee nicht als Hasenzüchterverein endet! Wie kann man nur?
    Auch hier wieder ent-täuschung = Wir wissen worum es euch geht! Nein Danke!

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