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Mohn_Spruch

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In Wahrheit frei


In Wahrheit frei

Die Wahrheit ist ein Haus ohne Schloss und Riegel,
jedoch mit mehr Räumen,
als Du in Deinem ganzen Leben betreten kannst.

Jeder kann in der Wahrheit wohnen,
doch niemand wird jemals wissen,
wohin die nächste Tür sich öffnet
und wer noch mit unter diesem Dach lebt.

Die Wahrheit ist Dein immerwährendes Zuhause,
in dem es nur zu eng wird,
wenn Du glaubst,
dass die Wahrheit der Freiheit im Wege steht.
Doch die Freiheit ist kein Fenster,
durch das man nachts fliehen kann.
Sie ist das Fundament der Wahrheit.

***

DoraQuar

Wie viele Leben lebst Du? dieGoerefragt #009


Eine Freundin von mir ist Doktor der Chemie, obwohl das Fach sie gar nicht wirklich interessiert, weil sie ihren Vater nicht enttäuschen wollte. Jetzt ist ihr Vater gestorben, sie hat gekündigt und erfindet sich neu. Ein Freund von mir hat andauernd Affären, weil er nicht von der Idee lassen kann, dass eine andere die nächst bessere Frau für ihn ist. Manchmal löst die Affäre dann auch die Beziehung ab, um dann wiederum betrogen zu werden. Und ich, ich muss dauernd neue Berufe lernen und ausüben, weil ich die Vorstellung nicht ertrage, meine eigentliche Bestimmung verpasst zu haben. Und bis heute sage ich: „Wenn ich groß bin, werd‘ ich Künstlerin.“ Ach ja, und ich muss dauernd nach Norwegen in den Urlaub fahren, weil ich mich nicht traue, einfach auszuwandern…

Heute ist Sonntag und mich beschäftigt die Frage, wie wir mit unseren Sehnsüchten umgehen. Wie wir damit umgehen, dass wir letztlich nur EIN Leben leben können, in jedem Moment nur das eine tun können und dafür die vielen anderen Möglichkeiten, die mehr oder weniger bewusst in uns schlummern, ziehen lassen müssen. Dabei geht es mir vor allem um Unvereinbarkeiten. Und darum (heute vor allem darum…), wie viel von einer Möglichkeit in „klein“ oder „abgewandelt“ ins gelebte Leben geholt werden kann, um Glück und Zufriedenheit zu erzeugen, ohne dass anderes geschmälert oder gar gefährdet wird. Da fällt mir wieder jener Freund ein (der mit den Affären), der so gern sagt: „Wenn ich mich zwischen Zweien entscheiden muss, dann wähle ich … alle Drei.“

Ich versuche mich dann an die Biologie zu halten. Die zeigt ja auch nichts anderes als eine Anhäufung von Möglichkeiten, von denen sich dann jeweils eine durchsetzt und „materialisiert“. Mit den Genen ist das so. Wobei wir auch Zwischenformen kennen, nicht immer ist alles ganz eindeutig (Stichwort Intersexualität), aber immer ist es eines – egal, wie es gedeutet werden kann. Es ist. Egal, was es ist. Aber es ist so und nicht anders.

Werde ich eines Tages in Norwegen leben?

Ich weiß, dass ich viele andere Leben in mir habe. Es ist in manchen Momenten schmerzhaft, in anderen tröstlich, das zu wissen. Schmerzhaft ist es, wenn die Sehnsucht mich halb umbringt. Tröstlich ist es, weil sich mein Leben niemals alternativlos anfühlt. (Und in Gedanken bin ich jetzt bei meinem Bruder, der keinen anderen Ausweg aus seinem Leben gesehen hatte …)

Das Wichtigste ist wohl, sich immer wieder zu vergewissern, dass das, was wir als unser Leben materialisieren, eine gute Wahl ist, zu der wir stehen können. (Nichts anderes ist es, was in der berühmten Midlife Crisis auf dem Prüfstand steht.) Solange wir das vom gelebten Leben sagen können, halten wir die „verworfenen“ Möglichkeiten besser aus. Allein die Wahrnehmung, DASS wir eine Wahl haben, ist von enormem Wert für das Empfinden von Zufriedenheit bzw. Glück. Und ich erlebe mein gelebtes Leben als ein gewähltes und bin dankbar dafür.

Und wie das kleine Glück im Großen aussieht – der Norwegenurlaub vom Hamburger Alltag zum Beispiel – das kann nur jede/r für sich allein herausfinden. Und von den wenigsten Menschen werden wir jemals erfahren, welche Sehnsucht von ihm/ihr ausgelebt wird, in einem Hobby, einem Urlaubsort, einem Ehrenamt, einem Projekt, einer Freundschaft…

***

Glück ist,
der Sehnsucht im Leben einen Raum zu geben,
in dem es sich ausdehnen und erweitern kann,
ohne zu implodieren.

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Digitale Malerei


Sein ist gesehen werden.
Georg Berkeley, irischer Philosoph (1685-1753)

Dora-Quar-im-Park-3

Auf der Jagd nach dem ultimativen künstlerischen Ausdruck gibt es unendlich viele Möglichkeiten der Bildbearbeitung. Und jedes Mal ist es eine Kunst, rechtzeitig aufzuhören… Original Second Life Screenshots selbst sind ja auch schon nicht mehr rohe, „unbearbeitete“ Schüsse, denn schon vor der Aufnahme lassen sich die Lichtverhältnisse inworld massiv modulieren, dagegen wirkt mancher Phozoshop Filter harmlos.

Mich persönlich interessiert sowieso weniger ein „unverfälschter“ Blick auf Linden Labs 3D-Welt, für mich ist Second Life Fotografie eher ein künstlerischer Akt wie Malen oder Zeichnen.

Beim Modulieren dieses Motivs habe ich u.a. diese Musik gehört:

Variationen

I.

Dora-Quar-im-Park-2a

II.

Dora-Quar-im-Park-2b

III.

Dora-Quar-im-Park-2d
Das Original

Unbearbeiteter Screenshot in Second Life:

Dora-Quar-im-Park-Original

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Wie entlade ich etwas von Bedeutung? diegoerefragt #009


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Indem ich es an mich heranlasse und sehe, was es heute (für mich) ist.

***

Ich bin in einem Dorf, in das ich eigentlich freiwillig keinen Fuß setzen würde.
Ich stehe vor dem Elternhaus von dem Mann, der mein Vater war,
der schon seit vielen Jahren tot ist und zu dem ich schon vor Jahrzenten den Kontakt abgebrochen hatte.

Ich stehe vor dem Haus, das schon länger als ich auf der Welt bin nicht mehr im Besitz meiner Familie ist und das meine Mutter Sylvester 1955 das letzte Mal betreten hat,
wie sie mir am Telefon erzählte, als ich sie gerade noch einmal anrief,
weil sie mir beim Anruf zuvor, als ich sie spontan – eigentlich nur auf der Durchreise –
nach der Adresse fragte und sie mir nur den Straßennamen und eine ungefähre Beschreibung geben konnte.

Es hatte morgens geregnet, an einen Strandspaziergang war nicht zu denken gewesen.
Ich finde das Haus eigentlich ganz hübsch,
vor allem im Vergleich zu den anderen Häusern in der Straße.
Ich mache ein Foto und gehe zurück zum Bahnhof.
Gesehen hab ich eigentlich nichts. Nichts von Bedeutung.

Dann hätten wir das also auch geklärt.

***