Die Magie des Teilens


Vielleicht denk ich da ja ein bisschen zu sehr um die Ecke, aber nehmen wir diese „Begegnung“ doch mal als Sinnbild für das, was Menschen im Social Web spontan und ungeplant miteinander erleben können. (Muss ja nicht immer gleich so tragisch „enden“.) #istnursoeineIdee

Ansonsten ist dies einfach ein ganz wunderbarer Kurzfilm.

North Atlantic from bernardo nascimento on Vimeo.

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Kreativität und Verletzlichkeit


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Ich habe vor ein paar Tagen einen Persönlichkeitstest gemacht, und zwar diesen hier. Das Ergebnis hat ein bisschen mein Ego gekitzelt und mich doch auch verblüfft – ich fühlte mich durchaus erkannt, und zwar nicht nur im angenehmen Bereich. 🙂

Ein Zitat aus dem Testergebnis, das mich sehr bestärkt und beflügelt, ist dieses: „Ihre Kreativität zeichnet sie aus. Wenn es um ihre ureigenen Themen geht, können sie genial und überzeugend sein. Sie wissen instinktiv, wie man Menschen erreicht und wie sie ihr Anliegen kommunizieren können. Sie sind dabei nicht laut, sondern tiefgründig und ruhig.“ So bin ich gern, so wär ich gern mehr… Und auch: „Sie sind an den Möglichkeiten interessiert die sich ihnen bieten, nicht so sehr an der Gegenwart oder an dem was jeder kennt und was offensichtlich ist.“

Was mich jedoch an der Auswertung geärgert hat, ist die Unterstellung, ich würde zum Tagträumen neigen und müsste lernen, auch etwas in die Tat umzusetzen: Es ist wichtig, dass sie eine konkrete Gestalt für ihre Ideale finden. Sonst träumen sie ständig von unerreichbaren Horizonten, bewirken aber in der Gegenwart kaum etwas. Wenn sie ihre Ideale nicht umsetzen können, werden sie leicht übersensibel und verletzlich.“ In Wahrheit versuche ich seit vielen Monaten zu lernen, nicht aus allem gleich ein Projekt zu machen, nicht sofort Aktionspläne zu schreiben und auch mal eine Projektidee an mir vorbeiziehen zu lassen… Denn von allen Träumen und Ideen lassen sich in der begrenzten Lebenszeit eben nur einige realisieren. Ich muss lernen auszuwählen, um nicht zu verbrennen.

Ja, ich glaube an die Kraft der Visionen. Visionen sind mehr als Tagträume, sie spenden Energie, um konkrete Ziele zu erreichen und etwas Neues Realität werden zu lassen.

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Wer mehr über den Zusammenhang von Verletzlichkeit und Kreativität wissen will, liest und hört und sieht hier weiter

Über Verletzlichkeit, Scham und die Courage, unvollkommen zu sein | Brené Brown


Heute traf ich im Netz zum ersten Mal auf Brené Brown, qualitative Sozialforscherin an der University of Houston, und ihre zwei wunderbaren TEDx-Vorträge… Brené Brown hat mir heute viel beigebracht – an einem Tag, an dem ich krank im Bett liege und gefühlt unendlich viel Zeit habe, über die Welt und alles drumrum nachzudenken.

Was ich heute verstanden habe, ist die Idee von Verletzlichkeit als Mut, etwas zu wagen, von dem man den Ausgang nicht kontrollieren kann, was man aber gleichzeitig tun „muss“ (quasi als Herzensangelegenheit), um überhaupt eine Chance zu haben, das zu bekommen, was man von Herzen gern kreieren möchte – sei es eine Verbindung zu einem Menschen, ein Kunstwerk oder auch eine wissenschaftliche Erfindung oder …

„Verletzlichkeit ist der Geburtsort von Innovation, Kreativität und Veränderung.“ (TEDx Talk „The power of vulnerability“, Min 5:54)

Um zu verstehen, wie das alles zusammenhängt, hat Brené Brown untersucht, wie Menschen Entscheidungen treffen, die sich selbst als liebenswürdig (würdig geliebt zu werden!) wahrnehmen. Sie nennt diese Menschen die, die aus ganzem Herzen leben (TEDx Talk „The power of vulnerability“, Min 14:20). Das Ergebnis: Diese Menschen haben schlichtweg die Courage, unvollkommen zu sein!

„Verletzlichkeit ist nicht Schwäche. Ich definiere Verletzlichkeit als emotionales Risiko, ausgeliefert sein, Unsicherheit. Sie treibt unser tägliches Leben an. Und ich glaube jetzt – das ist mein zwölftes Jahr in dieser Forschungsrichtung – dass Verletzlichkeit unser genauestes Maß von Courage ist – verletzlich zu sein, uns erkennen zu geben, ehrlich zu sein.“ (TEDx Talk „Listening to shame“, Min 4:45)

Was es sehr gut auf den Punkt bringt, ist ihr „Mann in der Arena“-Zitat von Theodore Roosevelt:

„Es sind nicht die Kritiker, die zählen. Es ist nicht der Mann, der dasitzt und aufzeigt, wie der Macher Dinge besser gemacht haben könnte und wie er fällt und stolpert. Die Ehre gebührt dem Mann in der Arena, dessen Gesicht gezeichnet ist, mit Staub und Blut und Schweiß. Aber wenn er in der Arena ist, und bestenfalls gewinnt und schlechtestenfalls verliert, aber wenn er versagt, wenn er verliert, tut er es mit großem Wagemut.“ (TEDx Talk „Listening to shame“, Min 12:10)

Die beiden Vorträge geben noch etliche weitere Einblicke in die Forschungsergebnisse von Brené Brown, unter anderem spricht sie über

  • die Unterscheidung von Scham und Schuld,
  • den Zusammenhang von Scham und Angst vor Schwäche bei Männern
  • die Gefahr, durch die Vermeidung von Verletzlichkeit unfähig zu werden, zu lieben und sich verbunden zu fühlen…

Wenn Du, der/die Du dies gerade liest, Dir 2x 20 Minten Zeit nehmen kannst, dann schau die beiden Vorträge – hier von mir inkl. deutscher Untertitel eingebettet – an.

TEDx TALK – Brene Brown: Die Macht der Verletzlichkeit (Dez. 2010)

 

TEDx TALK – Brene Brown: Auf die Scham hören (März 2012)

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Es ist übrigens ein beeindruckender Service auf TED.com, dass diese Vorträge auch verschriftlicht und in verschiedene Sprachen übersetzt bereit gehalten werden. Hut ab! Das nenn ich mal wirklich „accessible content“ im Sinne von Karen McGrane – aber das ist ein anderer Blog-Post, der noch geschrieben werden will…

Wen trägst Du im Herzen? Und wer trägt Dein Herz?


Ich habe heute einen Zeitungsartikel gelesen und einen Film gesehen. Einmal saß ich also weinend am Küchentisch, das andere Mal weinend in einem abgedunkelten Kinosaal. Es ging zweimal um ein und dassselbe, um einen Menschen, der jemanden im Herzen trägt, der nicht mehr auf dieser Welt ist.

Meine Mutter sagt immer, genau das sei die Krux, was ein Gedicht von Mascha Kaleko so gut in Verse fasst:

„Den eigenen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muss man leben.“

Und vielleicht ist das die besondere Kunst im Leben: Andere im Herzen zu tragen und dabei leicht zu bleiben. Und vielleicht ist es das, was ich mir wünsche: Selbst im Herzen eines anderen Menschen geborgen zu sein, ohne dass diesem zu schwer damit wird.

Liebe findet statt.


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„Im Grunde reden wir immer über die Liebe, wenn wir es so sehr vermeiden. Jeder gesenkte Blick, jedes gerollte Auge als Schutz vor der Möglichkeit einer Kernschmelze.“ (Quelle)

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Es stimmt nicht, was hier und dort behauptet wird, dass im Netz nicht von Liebe gesprochen wird, dass niemand seine/ihre Liebe erklärt, dass wir nicht ZeugInnen von großartigen Liebeserklärungen oder tiefstem Herzschmerz würden.

Liebe findet statt. Auch hier im (Sozialen) Netz. Und es gibt Menschen, die darüber auf intensive Weise sprechen bzw. schreiben – liebende Menschen, dessen bin ich mir nach einer jeden Lektüre sicher. Ich erinnere mich beispielsweise an den klugen Artikel von Antje Schrupp zur Frage, ob wir Liebe nicht auch ein bisschen überstrapazieren, oder an einen Beitrag von Jean-Pol Martin, der Liebe als Fixierung auf eine Quelle der Bedürfnisbefriedigung anerkennt. Unübertroffen sind natürlich auch die Diskussionen, die Christian Spannagel und beschwerte, als er seine desillusionierende Sicht über Verliebtheit und Beziehungen verbloggte – und ich bin mir sicher, dass er liebt. Auf seine Weise.

Wahrhafte Liebeserklärungen habe ich auf Twitter schon des öfteren miterlebt – manchmal nachts, wenn die Timeline schneller mal persönlich wird. Jetzt bedauere ich es, nicht mehr davon als Favoriten abgespeichert zu haben…

Vielleicht sorgen wir gemeinsam für Abhilfe und sammeln ein paar Quellen der Liebesbekenntnisse: Welche verliebten Tweets, gebloggten Gefühle oder ge(pod)castete Liebesweiheiten gehören für Euch auf die Best-of-Liste?

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